Die Wirkung der Cannabinoide

Cannabinoide stellen eine Substanzklasse dar, deren Vertreter über Cannabinoide-Rezeptoren ihre Wirkung entfalten. THC ist das bekannteste Cannabinoid, jedoch gibt es weitere, die ebenfalls vielfältige Einflüsse im Organismus zeigen.

Sind Cannabinoide Alleskönner?

Cannabidiol (CBD), z. B., ist der Antagonist, also ein Gegenspieler des THC, der dessen Effekte unterbindet und zudem angstlösend, schmerzhemmend, antiepileptisch, antibiotisch und den Augeninnendruck senkend wirkt. Cannabinol (CBN) senkt ebenfalls den Augendruck, während Cannabichromen (CBC) beruhigend und schmerzstillend gemeinsam mit THC agiert. Cannabigerol (CBG) ist nicht psychoaktiv, senkt jedoch, wie bereits klinisch nachgewiesen, den Augeninnendruck und wird darüber hinaus als antibiotisch sowie schlaffördernd agierende Substanz eingestuft.

Das Spektrum an Cannabisprodukten ist breit, ebenso wie deren Effekte, die sich gegenseitig verstärken oder hemmen können. Die empfundene Wirkung von Cannabis variiert mit dem Gehalt und dem Anteil der verschiedenen Cannabinoide. So sind auch die durch THC verursachten Reaktionen zusätzlich beeinflusst von den anderen anwesenden Cannabinoiden. Hier scheint der Grund dafür zu liegen, dass der Konsum von synthetisch hergestelltem THC nicht als so angenehm empfunden wird, wie der des natürlichen THC-haltigen Cannabisproduktes.

Die bekanntesten Wirkungen von Cannabis, die auf THC zurückgeführt werden, beziehen sich auf die Psyche. Dazu gehören Stimmungssteigerung, veränderte Wahrnehmung von Farben, Geschmack, Zeitgefühl sowie herabgesetztes Erinnerungs-und Denkvermögen, beeinträchtigtes Konzentrationsfähigkeit und Einschränkungen in den psycho-motorischen Leistungen. Darüber hinaus werden auch Einflüsse auf kardiovaskuläre und hormonelle Funktionen sowie die Thermoregulation beschrieben. Die Tatsache, dass THC z. B. auch Schmerzreduktion, Linderung von Krampfzuständen und Erbrechen, Schlaferleichterung und Appetitanregung zur Folge hat, macht die Substanz therapeutisch interessant.

Längst sind noch nicht alle Cannabinoide identifiziert und alle Effekte bestimmt worden. Fakt ist, dass die Breite der Wirkungen weiterhin ein hohes Potenzial für die Anwendung zum Nutzen des Menschen verspricht.

Cannabinoid-Rezeptoren

Cannabinoid-Rezeptoren vermitteln die Reaktion der Cannabinoide. Zurzeit sind zwei Typen bekannt, über die auch THC wirkt: Cannabinoid-Rezeptor 1 (CB1) und Cannabinoid-Rezeptor (CB2); jedoch gibt es Beweise für weitere, die bis jetzt noch nicht charakterisiert werden konnten.

CB1-Rezeptoren sind hauptsächlich auf den peripheren und zentralen Nervenzellen lokalisiert, wo sie die Ausschüttung von Botenstoffen, der Neurotransmitter vermitteln. Darüber hinaus wurde ihre Anwesenheit auch in anderen Zellen nachgewiesen, z. B. im Gewebe des Verdauungstraktes, im Herz, in der Lunge, der Harnblase und den Nebennieren. CB2-Rezeptoren wurden primär im Immunsystem bzw. in Zellen mit Abwehrfunktionen gefunden, wo sie an der Ausschüttung von Zytokinen , das heißt von Proteinen, die Wachstum und Differenzierung regulieren, beteiligt sind. Insbesondere die Lokalisation der CB1 Rezeptoren im Gehirn erklärt die pharmakologischen Eigenschaften von THC. Eine hohe CB1-Rezeptordichte wurde in den Hirnarealen identifiziert, die für Bewegung, Gedächtnis und Schmerzempfinden verantwortlich sind. Der Hippocampus, z. B., als wichtiger Ort des Kurzzeitgedächtnisses ist mit vielen CB1-Rezeptoren ausgestattet. Der Einfluss von THC auf die Motorik erklärt sich über die CB1-Rezeptor-Ausstattung der Basalganglien.

Über die Bedeutung der CB2-Rezeptoren gibt es weniger Erkenntnisse. Da sie vorrangig peripher in Immunzellen vorkommen, geht man davon aus, dass sie für die Immunmodulation, das heißt, in der Regulation von Abwehrmechanismen, eine Rolle spielen.